Bericht zur Sonderfahrt "Drei Ziele"
Am Samstag, den 30. Juli 2011 führte das Eisenbahnmuseum eine Sonderfahrt vom Ruhrgebiet in das Ems- und Friesland durch. Gefahren wurde mit ehemaligen Bundesbahnfahrzeugen. Man konnte in einem von drei 2. Klasse Schnellzugwagen im 1970er Jahre Design oder in einem seltenen 1. Klasse Wagen im Stil der frühen 1960er Jahre Platz nehmen. Geführt wurde der Zug von der Diesellok 221 116, der letzten weitgehend im Originalzustand befindlichen Lok dieser Baureihe. Lokomotive und Zug wurden von den Personalen schon Stunden vorher vorbereitet. Ausgangspunkt war Düsseldorf Hbf. Weiter ging es quer durch die Städte des Ruhrgebietes, in denen die Reisegäste zusteigen konnten. Von Dortmund aus ging es ohne Halt bis nach Papenburg an der Ems, dem ersten Ziel unserer Drei-Ziele-Fahrt. Bei wechselhaftem Wetter konnten aus den Fenstern die Landschaften des Münster- und später des Emslandes bei Getränken, kleinen Snacks und vielen Gesprächen mit anderen Reisenden genossen werden.
Papenburg wurde gegen 10:15 Uhr erreicht. An dem beschaulichen Bahnhof sammelte sich die Reisegruppe, die nach einigen Minuten gemütlichen Fußmarsches am Zeitspeicher, ein Museum für Heimatgeschichte, ankam. Hier wurden die Reisenden von Mitarbeitern der Meyer Werft in Empfang genommen. Im Reisebus ging es in die etwas außerhalb liegende Werft. Auf der 5-minütigen Fahrt wurde den Reisenden die Geschichte Papenburg und der Werft vermittelt. In der Meyer Werft angekommen, wurde nach einer erneuten kurzen Begrüßung, ein 10-minütiger Film präsentiert. Anschließende erfolgt unter fachkundiger Führung ein ausführlicher Rundgang durch die Werft. Höhepunkt bildete hierbei der Blick in die Trockendocks mit den beiden aktuell in Bau befindlichen (Luxus-) Kreuzfahrtschiffen.
Nach der Führung stand der Nachmittag zur freien Verfügung. Die Reisegruppe teilte sich in kleinere Einheiten auf. Diejenigen, die schon öfter mit uns nach Papenburg gefahren sind, gaben Empfehlungen auf besonders gute Gaststätten und das Papenburger Freizeitangebot für die Stunden bis zur Abfahrt am Abend. Gut Altenkamp mit seiner schönen Gartenanlage, die „Von-Velen-Anlage“ mit ihren historischen Gebärden und die Papenburger Einkaufsstraße mit ihrem Kanal und den alten, malerischen Schiffen sind nur drei der zahlreichen Alternativen gewesen, die einen Besuch Papenburgs jederzeit wieder lohnenswert machen.
Für die restlichen Fahrgäste ging die Fahrt weiter ins südliche Ostfriesland. Der nächste Halt hieß Bad Zwischenahn. Ein nettes kleines Bad am Südende des Zwischenahner Meeres. Allerdings ist es natürlich bei weitem nicht so groß wie der Name erwarten lässt. Zu einer gemütlichen Bootsfahrt mit Kaffee und Kuchen für unsere Fahrgäste reichte es allemal. Nebenbei wurde die Historie der Umgebung erklärt und natürlich konnte man auch hier im Kurort einiges unternehmen. Ein großes Freilicht- und Heimatmuseum beispielsweise zeigt vorwiegend den Hausbau früherer Jahrhunderte auf einem sehr großen Gelände.
Bilder: Bad Zwischenahner Touristik GmbH
Schließlich fuhr der Zug noch weiter nach Wilhelmshaven, direkt am Jadebusen gelegen. Dort endete unsere Zugfahrt. Die Stadt bietet eine Fülle von Möglichkeiten, um Geld auszugeben und seinen Horizont zu erweitern. Im Bahnhof selber konnte man direkt mit einer Shoppingtour beginnen. Dort befindet sich die Nordseepassage. Wilhelmshaven ist allerdings für seine maritime Vergangenheit berühmt, einerseits im militärischen Bereich, aber auch durch seine Werften, von denen heute leider keine mehr existiert. Kultur- und Geschichtsinteressierte trieb es daher zur „Museumsmeile“, einer Ansammlung interessanter Sehenswürdigkeiten und Museen, die sich mit der Geschichte der Stadt, der Marine, dem Wattenmeer und der Nordsee auseinandersetzt.
Leider war die berühmte Kaiser-Wilhelm Brücke zwecks Sanierung gesperrt. Diese historische Drehbrücke stellt die Verbindung zwischen den beiden Teilen der „Museumsmeile“ dar. Der Großteil der Wissensdurstigen entschied sich für den zwangsweisen Umweg über die Jadeallee am Südstrand entlang (ca. 45 Min Fußmarsch) zum Marinemuseum. Dieses konnte mit der sehr eindrucksvollen Sonderausstellung „Das Boot – Die Fotografien“ aus dem Buchheim Museum aufwarten. Aufgrund der fast andächtigen Stille konnte man ahnen, dass die Fotografien ihre Wirkung nicht verfehlt haben. Das Küstenmuseum sowie die historische Schiffe waren sehr sehenswert. Zudem konnten die Lokalitäten am Südstrand mit maritimen Spezialitäten bei unseren Gästen punkten konnten.
Der Rückweg zum Bahnhof verlief aufgrund des Zwei-Stunden-Taktes der Buslinie ebenfalls auf Schusters Rappen. Womöglich hätte man durch die Busfahrt den originellen Imbiss auf einem alten Krabbenkutter übersehen, der aufgrund der schlemmenden Menschentraube an Deck ausprobiert werden musste. Um es kurz zu machen: der Backfisch mit Remoulade war echt lecker. Nach und nach trudelten unsere Fahrgäste am Bahnhof ein. Es wurde noch gesellig über die gewonnen Eindrücke und diverse Neuerwerbungen „geschnackt“, bis dann unser Zug bereitgestellt und alsbald die Heimfahrt angetreten wurde.
Jede der drei Zielgruppen unserer Fahrgäste hatte einen eigenen Reiseleiter, der während der Fahrt zur Verfügung stand und vor Ort unsere Kunden begleitete. Ebenso nahmen wir an der Werftbesichtigung und der Schifffahrt teil. Letztendlich waren daher unsere Fahrgäste sehr zufrieden mit den Zielorten und der Fahrt in einem historischen Zug. Sie genossen das stressfreie Reisen auf großzügig bemessenen Sitzen. Und da ebenfalls die von uns bestellten Fahrzeiten stressfrei waren, fuhr unser Zug auf dem Hinweg komplett pünktlich. Die Rückfahrt brachte leider eine ca. fünfminütige Verspätung. Diese war aber einzig den Problemen im Betriebsablauf, wie es so schön heißt, besonders auf der zumeist eingleisigen Verbindung Wilhelmshaven – Oldenburg – Zwischenahn – Leer, geschuldet. Der Lokführer hat durch gutes Fahren immer wieder etwas Zeit herausgeholt.
Durch die gute Stimmung im Zug waren auch die Personale gut gelaunt. In Düsseldorf verließen die letzten Fahrgäste frohgestimmt den Zug. Ab hier konnten die Mitarbeiter diesen aufräumen, bis der Zug dann schließlich Monheim am Rhein erreichte, wo er abgestellt wurde. Die V 200.1 verabschiedete sich noch nach Oberhausen, wo diese zuhause ist. Ein schöner Tag für alle Beteiligten ging erfolgreich zu Ende.
Text: Christian Mann, Marc Grollmann, Marcel-André Schulte-Ladbeck

































