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REISEBERICHT ZUR TAGESSONDERFAHRT NACH WERNIGERODE
 

Samstag, 20. Februar 2010: Sonderfahrt nach Wernigerode

Recht früh am Morgen hieß es für das Zugpersonal aufstehen (mein Wecker meldete um 2.45 Uhr das Schlafende an). Um 4.00 Uhr in der Frühe war Treffpunkt am ehemaligen Bahnbetriebswerk (Bw) Köln-Nippes, das Thermometer zeigte lockere –6 Grad, eben Winter! Das Bw Nippes ist Domizil des Freundeskreises Eisenbahn Köln (kurz: FEK), welche in liebevoller Arbeit die noch vorhandenen Wagen des ehemaligen Rheingold von 1928 bzw. 1962 betreuen. Gleich drei dieser außergewöhnlichen Reisezugwagen befanden sich in unserem Sonderzug: den Anfang machte der Aussichtswagen von 1962, gefolgt vom derzeit einzigen betriebsfähigen Wagen des 1928er-Rheingold-Zuges, einem 1.Klasse-Speisewagen. Diesem folgten zwei 1.-Klasse-Reisezugwagen der Centralbahn AG. In Zugmitte wurde der Rheingold-Barwagen mit 24 1.-Klasse-Sitzplätzen in 4 Abteilen eingereiht. Nun folgten drei 2.-Klassewagen der Standardbauart Bm aus den 60er Jahren. Den Schluss bildete der Generatorwagen des Rheingold-Zuges, welcher die Stromversorgung des Zuges (für die Heizung, Klimaanlagen und Küchen) sicherstellt, wenn der Strom nicht von der Zuglokomotive geliefert werden kann. Der Zug wurde bereits am Vorabend von den Kollegen des FEK gebildet.

 
 

Die Abfahrt des Zuges aus dem ehemaligen Bw verzögerte sich etwas, da die Heizung des Barwagens streikte und man versuchte, diese in Gang zu bekommen. Zunächst konnte wegen der fortgeschrittenen Zeit darauf keine Rücksicht mehr genommen werden. Die Zuglok, eine Elektrolok der BR 1042 der ÖBB (1042 520), inzwischen im Bestand der Centralbahn AG, wurde angekuppelt, die vorgeschriebene Bremsprobe erledigt und mit ca. +20 Minuten der Kölner Hauptbahnhof erreicht. Zügig ging es dann weiter über Leverkusen-Mitte, Düsseldorf, Duisburg, Mülheim (Ruhr), Essen, Dortmund und Hamm Richtung Hannover. Inzwischen war die Sonne aufgegangen und ein herrlicher Wintertag mit strahlend blauem Himmel kündigte sich an. Leider gelang es trotz aller Bemühungen nicht, die Heizung in den Abteilen des Barwagens in Betrieb zu setzen. Die Fahrgäste konnten zum Glück in einigen freien Abteilen der 2. Klasse Platz nehmen. Hier wie im übrigen Zug war es mollig warm und man genoss die Aussicht auf die vorbeiziehende Winterlandschaft. Besonders eindrucksvoll war natürlich der Ausblick aus dem Rheingold-Aussichtswagen direkt hinter der Lokomotive! Im Speisewagen von 1928 wurde den Fahrgästen das vorbestellte Frühstück serviert.

 
 

In Hildesheim wurde die E-Lok abgerüstet und verblieb als „Wagen“ im Zugverband. Die Beförderung über den fahrdrahtlosen Abschnitt bis Wernigerode übernahm nun eine Diesellok der BR G1206 der Mittelweserbahn (MWB). Die für die Heizung und die Küche erforderliche elektrische Energie wurde nun im Generatorwagen erzeugt und über die 1000-Volt-Zugsammelschiene den Wagen zugeführt. Schnell wurde die Landschaft hügeliger und in beschaulicher Fahrt bei schönem Sonnenschein konnte es nun bis Wernigerode im Harz nicht mehr weit sein. Die Verspätung vom frühen Morgen konnte bis auf 10 Minuten verringert werden, so dass den Fahrgästen unseres Zuges der Anschluss an den Dampfzug der Harzer Schmalspurbahn (HSB) zum Brocken hinauf geboten werden konnte. Viele nutzten die Gelegenheit an dieser Fahrt teilzunehmen. Auf dem Bahnhofsvorplatz sammelten sich die Fahrgäste, die sich zur Stadtführung entschlossen hatten. In zwei Gruppen wurden über 80 Gäste nun zu Fuß durch die romantische Innenstadt geführt. Eine weitere Gruppe hat das Angebot einer Werkstattführung am frühen Nachmittag durch die Dampflokwerkstatt der HSB wahrgenommen. Ein weiteres Ausflugsziel war das Schloss Wernigerode, welches hoch über der Stadt thront. In zahlreichen Cafés und Restaurants hatte man ausreichend Auswahl für ein gemütliches Mittagessen.

 
 

Während des Aufenthaltes in Wernigerode wurde unser Zug auf das Abstellgleis rangiert und die E-Lok ans andere Zugende umgesetzt. Das Zugpersonal räumte in den Wagen auf und bereitete den Zug für die Rückfahrt vor, bevor es zum gemeinsamen Mittagessen im Speisewagen ging. Leider gelang es auch hier nicht die Heizung des Rheingold-Barwagens zu reparieren. Rechtzeitig zur Abfahrt kamen alle Fahrgäste zum Bahnhof, so dass einer pünktlichen Abfahrt Richtung Heimat nichts im Wege stand. Ein zeitweises dichtes Schneetreiben erinnerte nochmals daran, dass es noch längst nicht Frühling war. Die Rückfahrt verlief weitgehend störungsfrei und planmäßig, die Gäste im Rheingold-Speisewagen erhielten im nostalgischen Ambiente ihr Abendessen. In Hildesheim verließ uns die Diesellok der MWB wieder und die 1042 520 konnte den Zug wieder auf 140 km/h Höchstgeschwindigkeit beschleunigen. Eine Stellwerksstörung kurz vor dem Bahnhof Dortmund-Scharnhorst zwang unseren Zug zu einem längeren Halt vor einem Halt zeigenden Signal. Nachdem der Lokführer per Funk den Befehl erhalten hatte, bis Dortmund Hbf „auf Sicht zu fahren“ ging es nur langsam weiter und die Verspätung summierte sich auf über 50 Minuten, welche bis zur Ankunft in Köln Hbf leider nicht mehr aufgeholt werden konnte.

 
 

Die letzten Fahrgäste verließen uns hier und der Zug fuhr weiter nach Köln-Nippes. Hier wurden die Wagen der Centralbahn an die Ellok rangiert und noch in der Nacht nach Mönchengladbach überführt. Eine Rangierlok zog die verbliebenen Rheingoldwagen mit dem Zugpersonal an Bord nun zum ehemaligen Bw Nippes. Um kurz vor 1 Uhr war dann auch für uns Feierabend und es stand nun noch die Rückfahrt im PKW heim ins Ruhrgebiet an.

Text und Bilder: Sönke Windelschmidt

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