Weihnachtsmarktfahrt nach Osnabrück
Ob einer der Teilnehmer unserer diesjährigen Weihnachtsmarkt-Sonderfahrt “Das ganz große Glück im Zug nach Osnabrück” – wie es in dem Schlager aus dem Jahr 1997 heißt – fand, ist nicht bekannt. Einen unvergesslichen Tagesausflug in die “Friedensstadt” zwischen Wiehengebirge und Teutoburger Wald konnten aber alle Fahrgäste genießen. Die äußerlichen Bedingungen waren günstig für den Besuch dieses im Norden Deutschlands sehr bekannten und beliebten Weihnachtsmarktes. Das Wetter war freundlich und für die Jahreszeit angenehm warm.
Die unmittelbaren Vorbereitungen für die Fahrt begannen schon einige Tage zuvor mit dem weihnachtlichen Ausschmücken der museumseigenen Waggons. Am Nachmittag vor der Fahrt wurde unsere 38 2267, eine “P8” aus dem Jahr 1918, angeheizt. Die Fahrt begann dann am frühen Morgen des 26. November 2011. Die Fahrstrecke führte von Bochum-Dahlhausen quer durch das mittlere und östliche Ruhrgebiet über Essen, Wattenscheid, Bochum und Dortmund. Von Dortmund aus, wo die letzten Fahrgäste zustiegen, fuhr unser Zug zunächst nach Hamm. Dort im Bahnhof hatten alle, sowohl Mitreisende wie auch Passanten, die Möglichkeit, Lokomotive und Wagons von außen zu betrachten und Fotos für das heimische Fotoalbum zu knipsen. Der Aufenthalt diente aber vor allem der Wasseraufnahme für die Dampflok. Das Zugbegleitpersonal stand während dessen für die zahlreichen Fragen der Passagiere zur Verfügung und erklärte die Funktionsweise einer Dampflokomotive. Vor allem Fragen zum Wasserverbrauch standen, aus aktuellem Anlass, im Mittelpunkt des Interesses.
Aber auch die Stadt Hamm und ihre besondere Verbindung mit dem Verkehrsmittel Eisenbahn wurden, nach einleitenden Worten der Reiseleitung, zur Grundlage einiger Gespräche. Die Stadt Hamm ist bis heute einer der wichtigeren Bahnknotenpunkte für die Eisenbahn in Deutschland, obwohl ihre wahre Bedeutung in dieser Hinsicht in der Vergangenheit liegt. Diese herausragende Stellung der Stadt in Bezug auf den Bahnverkehr, seit den 1840er Jahren war sie an die Köln-Mindener Eisenbahn angeschlossen, verdankte sie der Funktion der Rangier- und Güterbahnhof für das Ruhrgebiet und regionaler Sitz der Reichsbahndirektion zu sein. Der gegenwärtig zum überwiegenden Teil stillgelegte Güterbahnhof war lange Zeit einer der größten in ganz Europa.
Nachdem die Dampflok mit Wasser versorgt war, ging die Fahrt quer durch das Münsterland dann weiter in Richtung Osnabrück. Das Ziel der Sonderfahrt erreichte unser Zug gegen 13.00 Uhr. Zunächst fuhr der Dampfzug in den Osnabrücker Hauptbahnhof ein, wo die ersten Passagiere ausstiegen. Die meisten Fahrgäste jedoch blieben zunächst sitzen. Sie wollten eine fahrtechnische Besonderheit erleben, auf die sie zuvor hingewiesen worden sind. Bei der Weiterfahrt zur Endstation der Sonderfahrt, der Haltestelle Osnabrück-Altstadt, beschrieb die befahrene Strecke eine Schlaufe und der Hauptbahnhof, ein sog. Turmbahnhof, wurde auf einer tieferen Ebene nochmalig durchfahren.
Dann stand für die Fahrgäste jedoch die Erkundung dieser an Historie reichen Stadt an. Die fünf Stunden Aufenthalt ermöglichten den Besuch des romantischen Weihnachtsmarktes, aber auch der einen oder anderen Sehenswürdigkeit. Geprägt wird die Stadt Osnabrück von ihren zahlreichen Kirchen. Vor allem der spätromanische Dom St. Peter aus dem 13. Jahrhundert und die am Rathaus gelegene Kirche St. Marien, deren gotische Prägung auch aus dem 13. Jahrhundert stammte, sind besonders sehenswert. Das Rathaus selbst ist vor allem wegen seiner Geschichte einen Besuch wert. Im Friedenssaal, dem Gegenstück zum Münsteraner, wurde 1648 der Westfälische Frieden geschlossen. Die Bedeutung dieses Ereignisses konnte in der hauseigenen Ausstellung von den Teilnehmern der Sonderfahrt auf den Grund gegangen werden.
Darüber hinaus gab es zahlreiche weitere Sehenswürdigkeiten zu besuchen. Exemplarisch seien einige Ausflugsziele hervorgehoben. Die Domschatzkammer in direkter Nachbarschaft zum Dom, das Erich-Maria-Remarque-Friedenszentrum, das barocke Osnabrücker Schloss aus dem 17. Jahrhundert, das im Jugendstil gebaute Theater und das, von Daniel Libeskind entworfene, Felix-Nussbaum-Haus. Neben vielen weiteren interessanten Bauten wird anhand dieser Aufzählung deutlich, dass vor allem von Architektur begeisterte Teilnehmer der Sonderfahrt in Osnabrück auf ihre Kosten kamen. Aber auch diejenigen, die sich nicht mit der besonderen Geschichte des Ortes und seiner Gebäude befassen wollten, genossen das besondere Flair dieser Stadt, der kleinen Restaurants, der hübschen Cafés und seines Weihnachtsmarktes mit den zahlreichen, festlich gestalteten Büdchen.
Am Abend ging es dann wieder heimwärts in Richtung Ruhrgebiet. Die Stimmung auf der Rückfahrt war durchweg gut, da das Reiseziel den Fahrgästen sehr gut gefallen hatte und viele, neben dem einen oder anderen Mitbringsel, viele positive Eindrücke gesammelt hatten. Selbst die etwa einstündige Verspätung und das nochmalige Wasserfassen in Hamm trübten die Stimmung an Bord der historischen Waggons nicht. Dank des Services durch die Zugbegleiter und das Team des Barwagens genossen die Fahrgäste sogar das “Mehr” an Fahrzeit.




























