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DIE 38 2267

Technische Daten

Höchstgeschwindigkeit: vorwärts 100 km/h rückwärts 50 km/h
Treib- und Kuppelraddurchmesser: 1750 mm
Leistung: ca. 1200 PS
Kesselüberdruck: 12 atü
Länge (Lok+Tender): 18,58 m
Dienstgewicht (Lok+Tender): 129 t
Tender: Wasservorrat: 21500 Liter
Kohle: 7 t

Allgemeines

Für die gestiegenen Anforderungen im Personenzug- und Schnellzugverkehr entwickelte die Preußische Staatsbahn (KPEV) die Personenzuglokomotive der Gattung P8. Die ersten Exemplare dieser Dampflokbaureihe wurden im Jahre 1906 in Dienst gestellt. Nach und nach wurde die Konstruktion verbessert und von „Kinderkrankheiten" befreit, so dass bis 1924 insgesamt 3561 Stück für deutsche Eisenbahnen gebaut wurden. Aber auch im Ausland stieß diese Maschine auf Interesse. Rechnet man diese Exemplare hinzu, so wurden von der P8 3948 Stück gebaut. Damit war sie die meistgebaute Personenzuglokomotive Europas. Entsprechend dieser gewaltigen Anzahl wurden die Lokomotiven nach Zusammenschluss der Länderbahnverwaltungen zur Deutschen Reichsbahn ab Mitte der 1920er Jahre in ganz Deutschland eingesetzt. Sie entwickelte sich zur wichtigsten Dampflokbaureihe für den Personenzugverkehr. Aber auch leichte Güter- und Schnellzüge wurden von ihr zufrieden stellend befördert. Lokomotivführer lobten ihre Robustheit und Zuverlässigkeit, so dass die Maschinen gerne als „Mädchen für alles" herangezogen wurde und neben Personenzügen auch planmäßig Schnellzüge sowie gelegentlich Güterzüge beförderten. Im Ruhrgebiet wurde mit P8-Lokomotiven ab 1930 ein zuschlagfreier, S-bahn-ähnlicher Schnellverkehr eingerichtet. Dieses Nahverkehrssystem gilt als Vorläufer des heutigen S-Bahn-Netzes. Für den Personenzugdienst waren über Jahrzehnte meist über 100 Maschinen im Ruhrgebiet gleichzeitig eingesetzt. Die letzten Exemplare dieser markanten und beliebten Lokomotivgattung wurden in beiden Teilen Deutschlands Anfang der 1970er Jahre ausgemustert und kurze Zeit später verschrottet. Die Deutsche Bundesbahn stellte die letzte P8 als 038 772 erst Ende 1974 ab. Einige Maschinen wurden erhalten und als technisches Denkmal oder in Museen aufgestellt. Wenige Lokomotiven blieben als Museumslok im Betrieb.

 
 

Die Lokomotive des Eisenbahnmuseums wurde 1918 unter der Fabriknummer 15695 von der Fa. Henschel gebaut. Sie wurde als „2553 Erfurt" in Dienst gestellt und Erfurter Raum im Personenzugverkehr eingesetzt. Nach dem Zusammenschluss der Länderbahnverwaltungen zur Deutschen Reichsbahn am 1. April 1920 wurde ein neues Bezeichnungssystem für den Lokomotivpark ausgearbeitet. Dieses trat 1925 in Kraft und die P8 2553 Erfurt hieß fortan 38 2267. Während des zweiten Weltkrieges wurde sie 1941 in den besetzten Osten abkommandiert und kehrte 1944/1945 nach Erfurt zurück, wo sie wieder ihre angestammten Dienste übernahm. Bis zum Anfang der 1970er Jahre stand sie zuverlässig im Betrieb, ehe auch sie durch Diesel- und Elektrolokomotiven entbehrlich wurde. Jedoch blieb ihr das Schicksal des Schneidbrenners, wie es fast alle ihrer Schwestern ereilte, erspart.
Als Denkmal stand sie nun rund 20 Jahre lang in Wiednitz/Oberlausitz.

 

Auf der Suche nach einer geeigneten Lokomotive für den Museumszug stießen die Mitarbeiter des Eisenbahnmuseums auf die 38 2267. Im Jahre 1991 wurde sie vom „Denkmalsockel geholt" und nach Meiningen in Thüringen gebracht. Im heute letzten Dampflok-Ausbesserungswerk der Deutschen Bahn AG wurde sie bis April 1992 hauptuntersucht. Fehlende Teile wurden ersetzt und die Lok betriebsfähig hergerichtet. Im Herbst 1992 traf sie dann in Bochum-Dahlhausen ein und zog fortan regelmäßig den Museumszug im Ruhrtal. Im Laufe der Zeit wurde die Maschine schrittweise in den Zustand der 1930er Jahre zurückversetzt.

Äußerlich am deutlichsten sichtbar an der für die Deutsche Reichsbahn der damaligen Zeit typischen Messingbeschilderung. Für den Einsatz auf den Gleisen der Deutschen Bahn AG erhielt die Lok Zugbeeinflussung (INDUSI, damit wird z.B. der Zug nach Überfahren eines Haltesignals automatisch zwangsgebremst) und Zugbahnfunk. Damit ist sie nun freizügig auf dem DB-AG-Gleisnetz einsetzbar und hat dies mit erfolgreichen Sonderfahrten an den Rhein, in die Eifel oder ins Sauerland bewiesen. Aber auch Fahrten im Ruhrgebiet, u.a. über Industrie- und Zechenbahngleise, standen auf dem Programm.

Zur technischen Instandhaltung sind alle sechs Jahre Untersuchungen erforderlich. Danach können die Untersuchungen bei gutem Zustand der Lokomotive um 2x ein Jahr verlängert werden, so dass nach acht Jahren endgültig eine Hauptuntersuchung erforderlich wird. Da die Lok dafür nahezu vollständig zerlegt wird, um u.a. Dampfkessel und Fahrwerk zu untersuchen und instand zu setzen, ergeben sich zwangsläufig sehr hohe Kosten für diese Hauptuntersuchung. Danach steht die Lok für weitere sechs bis acht Jahre wieder zur Verfügung. Nebenher sind jährliche Untersuchungen u.a. an der Bremsanlage vorgeschrieben.
Ende 1999 wurde die Lokomotive wieder wegen Ablauf der Untersuchungsfristen abgestellt: die nächste vorgeschriebene Hauptuntersuchung stand an! Wiederum wurde das Dampflokwerk der Deutschen Bahn AG in Meiningen mit der Instandsetzung beauftragt. Um Kosten zu sparen erledigten die Museumsbahner in Dahlhausen schon vorher viele Arbeiten selbst: das Führerhausdach wurde in der Museumswerkstatt neu gebaut, Aggregate wie Wasser- und Luftpumpen sowie Laternen usw. wurden auch im heimischen Lokschuppen instandgesetzt. Soweit möglich wurden hierbei auch Arbeiten ausgeführt, um die Lokomotive äußerlich in den historisch authentischen Zustand der 1930er Jahre zurückzuversetzen, beispielsweise durch das Anbringen zahlreicher Nieten. Der Kohle- und Wasserkasten des Tenders war so verschlissen, dass er komplett – natürlich nach Originalzeichnungen – neu gebaut werden musste. Dies geschah bei einer Stahlbaufirma in Essen- Kray, der fertige Aufbau wurde dann nach Meiningen transportiert. Satte 750.000,- DM mussten investiert werden, um die Lok für die nächsten Jahre wieder fit zu machen – ein harter Brocken für das private Eisenbahnmuseum, jedoch griff das Land NRW kräftig in den Topf zur Denkmalpflege und Tourismusförderung – schließlich locken die regelmäßigen Fahrten des Museumszuges auch auswärtige Gäste ins Ruhrgebiet. Diese aufwendige Totalsanierung konserviert die Substanz und beugt auch größeren (Rost-) Schäden vor, so dass die nächste Untersuchung in 6-8 Jahren sicherlich preiswerter wird.
Mit der Dampflok 38 2267 und den vorhandenen Museumswagen steht dem Eisenbahnmuseum Bochum-Dahlhausen nun wieder ein typischer Personenzug der 1930er Jahre zur Verfügung.

Der Wismarer Schienenbus | Die 01 008